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On The Town - Inhalt

Über das Stück

[jh] Obwohl Leonard Bernsteins erstes Musical "On the Town" (wörtlich etwa "Unterwegs in der Stadt" und auch unter dem Titel "New York, New York" oder "Heut' gehn wir bummeln" bekannt) von 1944 unangefochten zu den Klassikern gehört, wird es heute leider kaum noch gespielt. Trotzdem wird die Geschichte (und auch einige der Songs) dem ein oder anderen wohl irgendwie bekannt vorkommen, denn sie ist auch die Vorlage zu einem berühmten Filmklassiker (der etwas schwunglose deutsche Titel davon lautet "Ein Tag in New York"), u.a. mit Frank Sinatra und Gene Kelly in den Hauptrollen. Allerdings wurde die Handlung für den Film leicht modifiziert. So spielt sie nicht mehr im Kriegsjahr 1944, sondern in den Nachkriegsjahren zwischen 1945 und 1950. Der größte Unterschied besteht jedoch darin, daß sich die drei Freunde im Musical trennen, um nach "Miss U-Bahn" zu suchen, während sie sich im Film gemeinsam auf die Suche machen. Außerdem wurden dem Film zusätzliche Musiknummern hinzugefügt, die nicht von Bernstein komponiert wurden.

Handlung

Juni 1944 - wir befinden uns vor dem Marinedepot in New York. Es ist kurz vor sechs Uhr morgens - der Tag beginnt wie jeder andere. Die Kioskbesitzerin, Putzfrauen und Arbeiter erscheinen, um ihren Alltag in Angriff zu nehmen. Punkt sechs ertönt eine Sirene, und die drei Navy-Matrosen Gabey (Carsten Köster), Ozzie (Frank May) und Chip (Andreas Preponis) verlassen das Marinedepot. Die drei Freunde sind zum ersten Mal in New York und haben 24 Stunden Zeit, um seine Schönheiten kennenzulernen - jeder auf seine Art und Weise.

Chip, der klassische Tourist, hat den alten Stadtführer seines Vaters mitgenommen und den ganzen Tag perfekt durchorganisiert: "10 Uhr 30 Bronx-Park, 10 Uhr 40 Freiheitsstatue...".
Ozzie dagegen interessiert sich eher für die langbeinigen Schönheiten der Stadt.
Unterwegs in der U-Bahn ist Gabey fasziniert vom Bild der frisch gekürten "Miss U-Bahn des Juni", Ivy Smith (Judith Nahm) und beschließt, die 24 Stunden dazu zu verwenden, "seine" Miss U-Bahn zu finden. Ozzie und Chip wollen ihm bei der Suche helfen.

Die drei trennen sich, um den Informationen auf dem Plakat aus der U-Bahn nachzugehen. Gabey sucht Ivy in der Carnegie Hall, Ozzie im Museum und Chip will bei den U-Bahn-Stationsvorstehern nachfragen. Abends um 11 Uhr wollen sie sich dann bei Nedick's, einem Kiosk am Times Square, wieder treffen.
Auf der Suche lernt Chip die Taxifahrerin Brunhilde Eszterhazy - kurz Hildy genannt (Sanny Pakrac (geb. Perschke)) - kennen, die sich weder für die Suche nach Miss U-Bahn noch für Chips etwas veralteten Stadtführer interessiert, sondern Chip auffordert: "Come Up to My Place - Komm mit zu mir".
Ozzie trifft im Naturkundemuseum die Anthropologin Claire de Loone (Ute Huber-Frech und Ribanna Lechner), die am modernen Mann ein rein wissenschaftliches Interesse zu haben scheint. Doch eines haben Ozzie und Claire gemeinsam: Sie lassen sich beide von ihren Gefühlen mitreißen.
Im Gegensatz zu seinen beiden Freunden gelingt es Gabey tatsächlich, Ivy Smith zu finden. Er will sich mit ihr ebenfalls um 11 Uhr abends bei Nedick's treffen.

So ist gegen Ende des ersten Akts eigentlich alles bereit für ein schönes Happy End, wären da nicht Ivys geldgierige Gesangslehrerin Madame Dilly (Andrea Kistner) und ihr "Arbeitsplatz" im Vergnügungspark Coney Island. Außerdem gibt es da noch mehrere "Problemchen" mit der Polizei, die zusammen mit einer wachsenden Anzahl aufgebrachter Bürger unsere drei Matrosen und ihre Mädchen durch das New Yorker Nachtleben verfolgt.

Am Ende des Musicals schließt sich der Kreis: Wir sind zurück vor dem Marinedepot. Die 24 Stunden Landurlaub sind fast vorüber. Um sechs Uhr ertönt eine Sirene, und Gabey, Ozzie und Chip müssen Abschied nehmen und auf ihr Schiff zurückkehren.

Autoren und Geschichte

Es ist allgemein bekannt, daß "On the Town" auf dem Ballett "Fancy Free" basiert. Aber abgesehen vom Komponisten Leonard Bernstein, dem Choreographen Jerome Robbins und dem Bühnenbildner Oliver Smith haben die beiden Werke lediglich noch das Jahr ihrer Premiere (1944) und die Grundvoraussetzungen der Handlung gemeinsam: drei Matrosen auf Landurlaub auf der Suche nach einem romantischen Abenteuer in der "Big City". Smith hatte erkannt, daß die dramaturgischen Möglichkeiten für eine Gruppe temperamentvoller Männer, die am Vorabend des Tages, an dem man sie in den Krieg schicken wird, Zerstreuung suchen, keineswegs ausgereizt waren. Und Bernstein war es dann schließlich, der sich mit seinen Freunden Betty Comden und Adolph Green zusammensetzte, die dann das Drehbuch und die Liedtexte für das neue Stück schrieben. Alle drei waren noch jung, was ein Grund dafür sein mag, daß "On the Town" als ein besonders "junges" Stück Berühmtheit erlangte. Denn es ist zugleich energisch, unschuldig und voller Hoffnung.

Jeder der drei brachte seine gesammelte künstlerische Leistungsfähigkeit in das Vorhaben mit ein. Das ging sogar so weit, daß Comden und Green - anstatt sich "nur" mit ihrer Rolle als Koautoren zufriedenzugeben - bei der Produktion der Show zwei der Hauptrollen selbst übernahmen.

"On the Town" zeichnet sich besonders durch seine Fähigkeit aus, mühelos klanglich ansprechende Lieder mit dicht strukturierter Ballettmusik zu einem hohen Grad an Ästhetik zusammenzuführen und das Absurde mit dem Leidenschaftlichen zu verbinden. Es ist zugleich genial und gewagt. Aber es ist auch weise, versöhnlich und auf eine gewisse Art übersinnlich. Einerseits macht es sich lustig über die "Paarungsrituale" sexhungriger Matrosen, zeigt dann aber auch wieder Verständnis für Gabey und seine gewaltige Sehnsucht nach einer Frau, die im wesentlichen die Erfindung einer Werbekampagne ist. In einem Moment liefert es uns Eindrücke eines verzauberten New York in all seiner Rauhheit, seinen unterschiedlichen Farben und seiner Geschwindigkeit.

Gabey und seine Freunde bändeln mit Frauen an, die sie wahrscheinlich nicht wiedersehen werden. Darin liegt - bei aller dargebotenen Komik - die Melancholie der Geschichte. "Wenn Du verliebt bist, dann ist Zeit sehr kostbar", heißt es im Text von "Ein anderes Mal", desjenigen Songs, der den Höhepunkt dieses Musicals mitgestaltet. Und in der darauffolgenden Zeile heißt es weiter: "Selbst ein Leben ist nicht genug."

"On the Town" lief dreizehneinhalb Monate, was an und für sich keine schlechte Laufzeit ist. Aber danach verschwand es, seltsamerweise, mehr und mehr aus dem Wiederaufnahmerepertoire, wenngleich seine Reputation als Klassiker unangefochten blieb. Ein Hauptgrund hierfür war wohl das Fehlen einer Aufzeichnung mit der Originalbesetzung, jener Sache, die für ein Musical als eine Art Empfehlungsschreiben fungiert. Und dann war da noch "Fancy Free", das die Leute verwirrte, da sie es für eine Miniaturausgabe von "On the Town" hielten. Warum ein Musical wiederbeleben, dessen Ballettversion immer noch lief?

Die größte Erfindung bei "On the Town" - noch größer als Bernsteins viele Variationen des "Hier kommt Gabey"-Themas - ist sein messerscharfer Realismus. Da ist ein Krieg im Gange, die Matrosen werden ins Krisengebiet geschickt, wir winken ihnen zum Abschied zu... und was dann? Werden sich die drei Paare jemals wiedersehen?
"So laßt uns froh sein über das, was wir hatten und das, was noch kommen mag." Sicherlich kann man verstehen, warum Bernstein diese wehmütige Zeile in seinen Prolog zu "Ein anderes Mal" hineinschrieb. Wir können hoffen, wie wir es so oft am Schluß eines Bernstein-Musicals können: hoffen auf ein Ende des Rassismus in "West Side Story" oder auf einen erneuerten Sinn des amerikanischen Präsidenten für Integrität in "1600 Pennsylvania Avenue".

Bernsteins Glaube, daß das Leben vervollkommnungsfähig ist - daß wir unsere Träume verwirklichen können -, dieser Glaube ist es, der "On the Town" erfüllt. Oder, wie Bernstein selbst es formulierte: "Der Stoff für die Handlung ist leicht, die Vorführung selbst jedoch ernst."

Auszüge aus einem Text von Ethan Mordden
(Übersetzung aus dem Englischen: Jan Herzog)


(alle Texte sind dem Original-Programmheft unserer Produktion von 1997 entnommen und wurden nur leicht modifiziert)

Szenen & Songs

1. Akt

Vor dem Marinedepot
   "Ich fühl' mich, als läg' ich im Bett noch"
- Hafenarbeiter, Ensemble
   "New York, New York" - Gabey, Ozzie, Chip
In der U-Bahn
Gabeys Traum
   "Präsentation der Miss U-Bahn"
- Ansager, Ensemble
Zurück in der U-Bahn
Jagdszene 1
Auf der Straße
Jagdszene 2
Die Taxifahrt
   "Come Up to My Place" - Chip, Hildy
Jagdszene 3
Im Naturkundemuseum
   "Immer haut es mich um" - Claire, Ozzie
Jagdszene 4
An einer Straßenecke
   "Die Stadt heißt Einsamkeit"
- Chip, Ensemble
In der Carnegie Hall
   "Carnegie Hall Pavane"
- Ivy, Madame Dilly, Ensemble
In Claires Apartment
In Hildys Apartment
   "Und ich bin Koch auch" - Hildy
Auf dem Times Square
   "Ich bin glücklich wie ich bin"
- Gabey, Ensemble

2. Akt

Auf dem Times Square
Nachtclub 1: Diamond Eddie's
   "So Long, Baby" - Show Girls
   "Ich wollt', ich wäre tot - Diana Dream
Nachtclub 2: Congacabana
   "So Long, Baby" - Show Girls
   "Quisiero ser muerto" - Dolores Dolores
   "Du hast mich" - Hildy, Ozzie, Claire, Chip
Nachtclub 3: Chez Nous
   "So Long, Baby" - Show Girls
   "Ich kann's versteh'n" - Pitkin
Jagdszene 5
In der U-Bahn nach Coney Island
   "Ein and'res Mal" - Claire, Hildy, Ozzie, Chip
Im Vergnügungspark auf Coney Island
   "Rajah Bimmys Harem"
- Rajah Bimmy, Ensemble
Vor dem Marinedepot
   Finale - "New York, New York" - Ensemble












Ort und Zeit der Handlung: New York, gegen Ende des Zweiten Weltkriegs.
Ich bin sprachlos!