Handlung
Die Geschichte verfolgt die Lebenswege der Zwillinge Mickey ( Wolfgang Baumann) und Eddie ( Carsten Köster), die gleich nach ihrer Geburt getrennt werden und fortan in unterschiedlichen sozialen Milieus aufwachsen, ohne etwas von ihrer gemeinsamen Herkunft zu ahnen. Während Eddie, dank seiner wohlhabenden Eltern, den Lyons ( Daniela Bacher / Ute Huber-Frech und Frank May), die bessere Ausbildung genießen kann, wächst der labilere Mickey in den ärmlichen Verhältnissen der alleinerziehenden leiblichen Mutter, Mrs. Johnstone ( Bernadette Ahl / Sanny Pakrac (geb. Perschke)), auf und muß dort schon früh Verantwortung für seine zahlreichen Geschwister übernehmen, während sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt konstant für ihn verschlechtert. Die Situation spitzt sich zu, als der inzwischen arbeitslos gewordene Mickey auf die schiefe Bahn gerät und schließlich mit ansehen muß, wie sich seine Frau Linda ( Judith Nahm) in seinen (Bluts)Bruder Eddie verliebt...
Die schon wegen der Grundvoraussetzungen der Handlung recht düstere Stimmung des Stücks wird (zusätzlich zur "dunklen" Musik) noch verstärkt durch die ständige Gegenwart eines 'Erzählers' (bei unserer Inszenierung wundervoll diabolisch interpretiert von Rudi Kaiser), der auf unheimliche Art und Weise immer dann auftaucht, wenn die Protagonisten jene bedeutsamen Entscheidungen treffen, die sie dem unvermeidlichen tragischen Ende der Geschichte wieder ein Stück näher bringen. Mit der Einführung dieser Figur folgte Willy Russell in genialer Weise der Tradition antiker griechischer Tragödien mit dem für sie typischen Sprechchor, der den Zuschauer durch die Handlung begleitet, indem er die Geschehnisse auf der Bühne einerseits kommentiert, sich bisweilen aber auch "proaktiv" daran beteiligt. Nicht zuletzt der Einführung dieser zentralen Figur verdankt das Stück seine Einzigartigkeit.
Über den Autor Willy Russell
Russell wurde 1947 in der Nähe von Liverpool geboren, gehört also so zu sagen der "Beatles-Generation" an. Mit 15 verließ er die Schule, um Gitarre zu spielen, Gedichte und Lieder zu schreiben und um zu jobben. Der schließlich erlernte Beruf des Friseurs(!) füllte ihn nicht aus, weshalb er mit 20 seine schulische Laufbahn fortsetzte und, nach deren erfolgreicher Beendigung, sogar selbst Lehrer wurde. Während dieser Zeit fing er an, für Theater und Fernsehen zu schreiben. Das Stück "Educating Rita", dessen Drehbuch-Adaptation ihm sogar eine Oscar-Nominierung einbrachte, gilt gemeinhin als sein wohl größter Erfolg.
Willy Russells Stücke beschreiben die proletarische Welt von Liverpool humorvoll und zeitkritisch, jedoch ohne Sozialkritik. Seine zahlreichen, vielfach preisgekrönten Bühnenstücke und Fernsehspiele sind inzwischen auf der ganzen Welt zu sehen.
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