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Ab in den Wald (2004) - Inhalt

Einleitung

[jh] Ab in den Wald ist ein Stück, bei dem es sich lohnt, sich bereits im vorhinein ein wenig mit dessen Hintergründen vertraut zu machen. Im Grunde handelt es sich nämlich um eine ernstgemeinte Auseinandersetzung mit dem Thema "Märchen" sowie deren Rolle bei der Vermittlung von Werten in unserer Gesellschaft. Die Handlung (besonders die des zweiten Akts) kann daher durchaus als tiefgründig bezeichnet werden.
Da unsere diesjährige Produktion zu den in Deutschland leider nur wenig gespielten Sondheim-Musicals gehört und daher die meisten Hintergrundinformationen ausschließlich in englischer Sprache verfügbar sind, haben wir einen kleinen Teil der bei Sondheim.com (vgl. Links) verfügbaren Informationen ins Deutsche übersetzt und hier für Sie bereitgestellt.

Zur Handlung

Stephen Sondheim
Stephen Sondheim
Ab in den Wald (engl. Into the Woods) verknüpft eine Reihe bekannter Märchenerzählungen mit der originären Geschichte von einem Bäcker und dessen Frau, die den Handlungsablauf gewissermaßen katalysieren, indem sie versuchen einen Fluch aufzuheben, der auf ihrer Familie lastet, um endlich ein Kind haben zu können.

Im ersten Akt verfolgen die Charaktere ihr erklärtes Ziel, "glücklich bis ans Ende" ihrer Tage zu leben, auf altbekannte Art und Weise: Aschenputtel geht auf den Ball und erobert dort das Herz des Prinzen, Hans klettert an der Bohnenranke empor und findet ein Land voller Riesen und Gold, Rotkäppchen überlebt ihr Zusammentreffen mit dem Wolf im Hause ihrer Großmutter und Rapunzel schafft es, mit der Hilfe eines schönen Prinzen, der an ihrem langen Haar hinaufklettert, aus ihrem Turm zu entkommen.
Der Bäcker und seine Frau bewegen sich indessen durch ihre eigene Geschichte, das gemeinsame Ziel immer fest vor Augen - die Hexe, die Rapunzel (bei der es sich übrigens, wie sich herausstellt, um die Schwester des Bäckers handelt) gefangen hält, hat den besagten Fluch auf dessen Haus gelegt und erklärt sich nun bereit, diesen aufzuheben, sofern der Bäcker und seine Frau ihr die Zutaten beschaffen, die sie ihrerseits benötigt, um sich selbst von einem Fluch zu befreien, mit dem ihre Mutter sie einst belegte und der sie alt und hässlich macht.
Bei den Zutaten handelt es sich im einzelnen um: einen Schuh aus purem Gold (den die Bäckerin von Aschenputtel erhält), einer Kuh, so weiß wie Milch (die der Bäcker bei Hans gegen die schicksalhaften Zauberbohnen eintauscht), ein Mäntlein, so rot wie Blut (das der Bäcker von Rotkäppchen als Gegenleistung dafür bekommt, dass er sie und ihre Großmutter aus dem Bauch des Wolfes befreit hat) und Haar, so gelb wie das Korn (das sie natürlich von Rapunzel bekommen).
Nachdem alle Zutaten beisammen sind, tut der Zauber seine Wirkung und gibt der Hexe ihre einstige Schönheit zurück, beraubt sie jedoch im Gegenzug auch ihrer Zauberkraft.
Am Ende des ersten Akts scheint die Charaktere demnach nichts mehr davon abhalten zu können, "glücklich bis ans Ende" ihrer Tage zu leben.

Doch dann, im zweiten Akt, geht es um die Konsequenzen, die von traditionellen Märchenerzählungen bequemerweise stets ignoriert werden.

Was tut man nun mit einem toten Riesen im Garten? Führt die Heirat mit einem Prinzen wirklich zu einem glücklichen und erfüllten Leben? Ist es wirklich die Lösung, dem Wolf den Bauch aufzuschlitzen und hat der Riese wirklich immer Unrecht? Im zweiten Akt müssen sich die Charaktere mit Dingen auseinandersetzen, die nach "glücklich bis ans Ende" passieren. In dem Augenblick, als sie ihre Gemeinschaft einer wirklichen Bedrohung ausgesetzt sehen, erkennen sie, dass alles, was sie tun, Konsequenzen nach sich zieht und dass das Leben jedes einzelnen unausweichlich von dem der anderen abhängt, dass aber gerade in dieser gegenseitigen Abhängigkeit auch ihre größte Stärke liegt.

- June Abernathy, auf Sondheim.com
(deutsch von Jan Herzog)


Ich bin sprachlos!